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Urlaubs-Selfies und andere Pornos.

ali Kolumne 1

Ach, wärst du doch in Moosach geblieben.

In den „good old times“ zeigten Menschen sich gerne gegenseitig Urlaubfotos auf Papier und sorgfältig in einem Album eingeklebt. Das war nicht selten eine Tortur für den, der sich dann stundenlang unscharfe Bilder vom Strand in Rimini ansehen und saublöde Kommentare wie „Schau, wie der Onkel Karl da schaut, lustig, gell?!“  anhören musste.
Aber es ist zum Glück alles besser geworden in der Jetztzeit!
Heute posten Millionen von Menschen ihre Sonnenbrände auf Facebook, und das in einer Auflösung, die reicht, um ferne Sternenhaufen klar sichtbar werden zu lassen. Dazu schreibt sich der Fotografierte unauslöschlich mit natürlich viel hipperen Kommentaren ins weltweite Netz, um uns seine Hammerzehen für immer näherzubringen – und das in Echtzeit.
Was für ein Horror, der uns da tagtäglich ins Gesicht schwappt!

Ja, es gibt sie zuhauf, Posts, die die Anflughalle von Stockholm oder wahlweise Barbados mit den Worten „Gerade gelandet!“ zeigen.
Was will uns der/die Verfasser/in damit sagen?
Ich kann ein Flugticket kaufen?
Ich darf schon fliegen?
Stockholm hat einen Flugplatz?
Nein, es soll dies wohl eher ein „rein zufälliger“ Schnappschuss aus einem überaus abenteuerlichen Leben in Hacklwurf bei Rosenheim sein.
Leider erregt dieses Bild bei seinen Betrachtern meist nur Ignoranz, was an den fehlenden Kommentaren abzulesen ist, und nicht, wie beabsichtigt, Bewunderung und Anerkennung.

War bis gestern in Hunderten von Posts noch völlig klar, dass Janine kleine Kätzchen oder wahlweise süße Hunde liebt und bei der Gemeindeverwaltung als Schreibhilfe arbeitet, so unterstellt dieses Foto einen geschmacklosen Ausbruch aus einem kleinen geordneten Bürgerleben, genannt Urlaub.

So geht es übrigens auch Promis, deren Urlaubsgrüße nur zähneknirschend mit „Lass es Dir gutgehen“ oder „Toll, war letztes Jahr auch da “ beantwortet werden – was darauf hinweist, dass die Großwildjagdkameras unserer Vorfahren nur neue Opfer gefunden hat: Flugplätze und die eigenen Füße mit einem beschissenen Pool dahinter.

Einzig die Geissens machen ununterbrochen HD-Filme, in den aber auch klar wird, dass wenn man den eigenen nebeligen Spießbürgerhorizont auch mit viel Geld niemals durchbrechen kann, man weltweit ein Depp bleibt.

Also, bleibt zu Hause und postet eure Katzen und Hunde, das wollen wir sehen, den Rest macht der Urlaubsprospekt besser!
Selfies vor dem Ikeaschrank sind ekelhaft, aber immerhin verweist der Hintergrund auf eine nachvollziehbare Verortung und Einkommensgrenze hin, die der Betrachter auch goutieren kann.

P:S. Wenn Terrorismus etwas Gutes hat, dann die Tatsache, dass uns auf absehbare Zeit aus Gefährdungsgebieten keine blondierten Kicher- und Eislecksoftpornofotos erreichen werden.

Ali Khan (derzeit ver-eist)

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