Rock Against Rape

Vergewaltigungsopfer fordert: Irgendwann muss man verzeihen können

November 22, 2018

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SwiftAlarm! Presse

Er ist breitschultrig, tätowiert, bärtig und trägt ein schwarzes Shirt einer Rockband unter seiner dunklen Lederjacke. Trotzdem scheint der vermeintlich harte Kerl ziemlich bewegt beim Abschied von einer starken Frau: „Ich muss jetzt gehen, das Thema geht mir nah.“

Es ist die Verabschiedung eines Zuschauers bei RockAgainstRape, eine Initiative gegen Vergewaltigung, von Andrea Borchardt. Kurz zuvor hatte sie die Gelegenheit genutzt und beim ersten Konzert der Initiative über die jahrelangen Qualen in ihrer Kindheit und ihren Peiniger selbst auf der Bühne gesprochen: Ein Pflegekind, das in ihrer Familie untergebracht war, missbrauchte die damals Fünfjährige über Jahre hinweg sexuell. Das Überraschende dabei: Sie fordert nicht etwa schärfere Gesetze, Strafverfolgung oder predigt Hass. Nein, sie fordert Vergebung.

Andrea selbst hat sich ihrem Peiniger im Erwachsenenalter mutig gestellt, um mit dem Thema abschließen und loslassen zu können. Erst vor kurzem Jahren fand sie heraus: „Wir saßen im gleichen Boot, auch er war zuvor im Kinderheim Opfer von Missbrauch geworden, wie viele andere damalige Kinder und Jugendliche auch.“ Ein Beleg dafür, wie wichtig es ist, dem Thema zu begegnen und Betroffenen zu helfen. Um dies zu verhindern, ist ein Umdenken in allen wichtigen Schaltzentralen von Politik bis Medien notwendig.

Andrea hat für sich beschlossen, dass sie sich ihrer Vergangenheit stellen muss, um ein glückliches Leben führen zu können. Dennoch hat sie einen Appell an die Menschen: „Das Thema darf nicht im Dunkeln bleiben. Alle fünf Minuten wird in Deutschland eine Frau vergewaltigt. Diese Taten hinterlassen Spuren, mit denen die Betroffenen umgehen lernen müssen.“

Diesen rät sie, sich an Selbsthilfegruppen und Ärzte zu wenden und über das Erlebte zu sprechen. Sie selbst ist mittlerweile sogar so weit, dass sie bei RockAgainstRape in der Öffentlichkeit über das, was ihr widerfahren ist, spricht: nicht nur für sich selbst, sondern auch für die, die sich nicht trauen. Andrea, deine Geschichte bewegt – danke für deine laute Stimme.

Foto: Klaus Weißenberg

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