Der Khan, der kann. Kritik von Uwe Kullnick zum Fest (Part I) anlässlich des 60sten Geburtstags von Ali Khan.

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Der Khan, der Khan

Es war ein halber Geburtstag. Was das eigentlich ist? Lasst es mich so sagen, da wird einer demnächst 60 und holt mit einer exorbitalen Veranstaltung schon mal tief Atem, um es mit sich und den Menschen zu feiern. Mit allen Menschen, na eigentlich mit den Menschen, die in seinem persönlichen Lebensraster hängen geblieben sind, einen besonderen Anteil an seinem Entwickeln in dieser schwierigen und in seiner besonderen Welt, an Pfeilern und Mauern mitgebastelt haben. Da feiert einer, der sich gefunden hat und das auch jedem sagt. Seine Authentizität fand sich ich jedem seiner Bühnengäste. Doch genug der Vorrede, so ging es los:

Schon die ersten Töne der Leadgitarre warfen uns in die 70er.  Jimmy Hendrix II MasaN Basti Brand, gab uns ordentlich auf die Ohren. Bass, Keyboard, Congas und das Schlagzeug, an dem sich Ali die Ehre gab, kamen hinzu. Langsam fingen die Körper vor der Bühne an zu schwingen, wippen und zu beben. In den Gesichtern der Zuhörer tauchten die Bilder dieser wilden Zeit auf, ihr fast nostalgisches Lächeln, das die Rhythmen und Klänge auf die Lippen zauberte, ließ die alte Zeit Hallo sagen. Ach, wie war das Leben schön, damals, aber auch gerade ist’s großartig. Weht nicht gerade der leise Wind vergangener Tüten und der leise Hauch vergangener Trips, getragen von den wilden Klängen der Musik durch unsere Gedanken. Der erste schön lange Sound, das Hallo hier sind wir, ist gelungen, hat uns eingesammelt aus der dunklen Nacht des Weges hierher bei einem ungewöhnlichen Konzert, das der Khan sich und uns zu Ehren arrangiert hat.

Damit wir wieder zu Atem kamen züngelten Anekdoten von der Bühne. Sich selbst und andere erzählend darzustellen, das ist seine Spezialität. Doch anschließend, damit wir nicht vergessen, dass Musik ein wichtiger Teil seines Lebens ist, nahm uns Jacques Bono an seine bassgitarren-bewehrte Hand. Leise erst, brachte sein E-Bass unsere Zwerchfelle auf Tour. Bald begannen die Lautsprecher zu tanzen, der Bass ließ die Bühnenbretter erzittern und wieder wurden alte Zeiten lebendig. Doch dann Nostalgie pur, da kniete dieser Jaques Bono sich auf die Bühne und spielt weiter, legt die Gitarre auf den Boden und trommelt einen Sound und Rhythmus, dass es uns erbeben ließ. Selbst die Bedienungen blieben, die Gläser in den Händen, mit offenen Mündern und schwingenden Körpern, die Besonderheit des Augenblicks genießend stehen, und warteten gespannt auf den Climax. Gewaltiger Applaus, Pfiffe und Jubel brachen aus uns heraus. Great, einfach great.

Wieder ein paar freche Sprüche und Anekdoten, auch über einen seiner Lieblinge, Dieter Bohlen, bereiteten uns auf den nächsten Gast vor. Ach, wenn der gewusst hätte, dass er zum running Gag durch die ganze Veranstaltung werden würde. Hätte er etwas anders gemacht? Nein, ich denke nicht. Jeder ist sein eigener Stunt und so brachte er sich und seine Interpretationen  auf die Bühne. Ach ja, es war DSDS Star Dave Kaufmann. Elegant kam er und smart kam sein erster Song zum Aufwärmen daher, dann eine kleine Hommage an Ali und auch ein wenig Nachdenkliches über ihr Kennenlernen in einer Nachtbar. Zielsicher steuerte er auf einen Song von Dean Martin zu. Letzte Zeile eine Widmung an seine Oma. Nun ja. Ein superseltsames Duett folgte. Dave Kaufmann sammelte Ali zu einem gemeinsamen NewYork NewYork ein. Schon bei den ersten Takten sang das Publikum, Dave sang und Ali? Ali rauchte, als ob es um sein Leben ginge, als ob Mr. Wunderful Sinatra selbst rauchte und tanzte. Ein tolles Duo.

Da passte es super, dass wir ein Glückwunschvideo von Mr. Trend, Papis Loveday, sahen. Das männliche Supermodel winkte per Video seinem Freund von einer Modemesse aus zu.

Schon wurde es krass. Florian Simbeck, heute Vater zweier Kinder und ehemals Stefan von Erkan & Stefan, brachte eine kleine Comedy-Einlage über die Leiden eines Vater und die damit verbundenen Unbillen, sowie über Probleme, die mit der Handynutzung beim Wasserlassen verbunden sein können. Ein herzlicher Glückwunsch für Ali und der Dank des Publikums beendeten seinen Auftritt. Dann kam einer meiner Lieblinge und ich bin mir da mit Ali einig. Rudi Fietz ist nicht nur ein Original, er ist auch originell und einmalig in Themen, Wort und Gesang. Sein Vorstadtmädel changiert zwischen Rührung, Verständnis, Weisheit, kindlicher Neugier und Experimentierfreude. Der Song handelt vom Leben und von der weisen Erkenntnis … wir sind älter worrn …   … und du bist schöner worrn … Kaum ein Beitrag dieses Abends war näher am Geburtstagskind, das weiß es vielleicht nur noch nicht. Rudis musikalischer Brunnen ist tief. Man muss nur tief hineinsehen, schon sieht man sein eigenes Gesicht.

Die Zeit machte einen Sprung über 30 Jahre – von Ali Khan aus gesehen. 90 Jahre Power, Temperament und zu Rudi Fietz’s Thema passend, auch Erotik, kamen auf die Bühne und schmetterten das Couplet Ein bisschen Leder, das braucht doch jeder. Ruth Megary war großartig, schräg, schick, sexy und schön.

Ach ja, anschließend brachte Prinz Chaos (der Schlossbesitzer) Ali zu Ehren einen Liebes-Verriss über München. So manchem von uns sprach er aus der Seele. Auch Ali wird seinen Teil gefunden haben!

Und nun noch einmal NY NY … (ihr erinnert euch der running Gag mit Dave Kaufmann)

Dann etwas für Schlagzeugenthusiasten. Der G.B. von München lebte auf an seinem Drum Set. Drums flogen, Tomtoms rasten, die Rare-Drum stakatierte, die Floor Drum hämmerte und die Becken blitzen und schepperten, den ganzen Saal mitreißend. Heartbeats, Heartbeats trieben alle Zuhörer auf einen schnelleren Puls und das Glückshormon in unseren Hirnen hin zu ungeahnten Peaks in den Rockhimmel.

PAUSE

Schwatzen, Erholen, Beruhigen, Rauchen, Umsehen, Kontakten, Umarmen, Küssen!

Ich hatte draußen zu lange gequatscht. Verzeih, David Gazerov. Jede Sekunde, die ich verpasste, fehlt mir nun. David trieb sein Spiel mit der Musik und mit uns, in jedem Augenblick. Alle Höhen und Tiefen der Tastatur sprich der mitreißenden Musik servierte er mit unglaublicher Eleganz, Energie und Musikalität, die man auch nur bewundern konnte. Als nach und nach alle Instrumente von Basit Brand, Roald Rush und Freunden in die Session einfielen, stieg das Vergnügen wie eine Aktie mit Rückenwind.

Gut aus der Pause geholt – und so ging es auch weiter.

Michi Dietmayr, ein Sänger, Musiker und Kabarettist offerierte ein Lied, in dem ein Münchner Lover sich mit liebestötendem sächsischen Dialekt eines Vamps herumschlagen muss. Was er gerade dem Khan damit sagen wollte, bleibt im Dunkeln … Jedenfalls hat er sein Ziel erreicht. Das Publikum lachte und litt – sprachlich gesehen -mit.

Jetzt kam Sprechdurchfall aus Sendling. – Ali Khan bezeichnete seinen Beitrag mit diesem bildstarken Ausdruck. Darin ging es SILVER um einen Stratoperser und er rappte sich durch die Untiefen menschlicher Emotionen bis zur Stigmatisierung des Normal-Hasses. (Ach hätte er nur nicht ebenso brav ausgesehen, wie mein Schwager aus Salzgitter L) Super gemacht und Ali hat sich mächtig gefreut.

Jetzt aber unser Superstar Dave Kaufmann ….

Statt dessen:

Ein Ungar singt bayrisch – und das alles für Ali Khan. Nach einem tollen Stück ungarischer Musik und seinem besonderen Gesang gab es hinreißendes ungarisch-bayrisch auf die Ohren. Wunderbar, wie Csaba Gal, sich selbst ironisierend, das Publikum mitriss und auch Ali Khan schien mir ein klein wenig gerührt von so viel Engagement. So saßen sie gemeinsam, ein Perser und ein Ungar in München auf der Bühne und für einen Moment waren wir alle weit weg.

Rote Samtjacke, schwarze Strubbelmähne dicke Lederhose und `ne Menge Power rockte auch ohne seine Band wie ein Wirbelwind über die Bühne. Robespierre zeigte uns und Ali Khan, wie man alá Meatloaf seinen Zuhörer die Ohren lang zieht.

Obwohl offenbar von Seiten des Veranstalters Norbert Seitz Anstalten getroffen waren die Uhren anzuhalten, näherte sich die Chose langsam dem Ende. Es wurde mystisch, komisch, ernst, amüsant und vor allem sehr, sehr menschlich. Willy Michl. der Erfinder des Bayerischen Blues und der Isar Indian, zeigte, was er kann. Zusammen mit Ali spielten  sie ein Instrumentalmonument erster Güte und die Harmonie der beiden Menschen war auch in der Musik zu spüren. Wenn Vollblutmusiker auf der Bühne stehen braucht es nichts anders mehr. Willy brachte eine Ode an Ali Khan – Authentizität pur. Danach kam, wie konnte es anders sein und von allen erwartet, Willies Isarflimmern.  Uff.

Den Wrap Up machten Austria Pur mit Nur einmal im Leben. Dazu kamen alle Aktiven des Abends auf der Bühne zusammen und sangen Ali, sich und uns noch eins, dann hatte Ali Khan das letzte Wort.

Um 23:30 war es vorbei. Schade, wirklich schade. Wir alle haben die dreieinhalb Stunden nicht bemerkt. Ali Khan & Friends haben uns allen diesen Abend in die Synapsen geschoben. Hier und da klingen noch heute Sätze, Melodien und Eindrücke nach. Mit mir freuen sich sicher alle Anwesenden auf den zweiten Teil seines Geburtstages, dann gibt’s die nächsten 30 Jahre.

Bis zum 20. März also.

Uwe Kullnick

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3 Gedanken zu “Der Khan, der kann. Kritik von Uwe Kullnick zum Fest (Part I) anlässlich des 60sten Geburtstags von Ali Khan.

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